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Die Steimeler werden oft gefragt, was hat es eigentlich mit der
„Hölzernen Muck“ auf sich.
Dies zu beantworten ist nur möglich, wenn man einen Ausflug in die
Geschichte unternimmt und die Geschichte der Martinskapelle, die
um 1630 im dreißigjährigen Krieg zerstört wurde, mit einbezieht.
Im Frühmittelalter um 800 n.Chr. ist der Martinskult im Reich
Karls des Großen weit verbreitet und viele Martinskirchen
entstehen.
Wann die Wallfahrtskirche in Steimel erbaut wurde, ist strittig,
nachweislich ist deren Existenz um 1320 in einem Ablassbrief
erwähnt. Sicher ist die Zerstörung der Kirche im dreißigjährigen
Krieg.
Den Überlieferungen des Volksmundes folgend sollen es die mit den
Protestanten verbündeten Schweden gewesen sein, die den Ort und
die Martinskapelle brandschatzten. Beim Brand des Ortes und der
Kapelle soll die Glocke folgende Laute von sich gegeben haben: „Steimel
mein Heimel, Steimel mein Heimel.“
Und nun zur Geschichte der Steimeler Muck.
Der Ort und die Kapelle waren zerstört, aber nach dem
Glaubenskrieg, der mit dem Westfälischen Frieden zu Münster und
Osnabrück 1648 endete, waren die Märkte wichtig. Durch
Kriegshandlungen, Hungersnöte und die Pest waren mehr als die
Hälfte der deutschen Bevölkerung ums Leben gekommen.
So wurden die Märkte in Steimel wieder fortgeführt und laut
Überlieferung sollen Schweine in den Trümmern der Kapelle durch
Wühlen die Glocken gefunden haben.
Wiedische Soldaten transportierten eine der Glocken nach Dierdorf,
wo sie noch heute im Uhrturm hängt. Wurde sie geläutet, so soll
die vom Heimweh Geplagte folgende Laute von sich gegeben haben: „Hätt’
die Sau misch net gevonnen, wäre esch net no Dierdorf kommen“.
Aus dem Fund der Schweine und den daraus für die Glocke und den
Ort tragischen Verlauf wird die Existenz „Muck“ begründet. Im 18.
Jahrhundert wird von einer eisernen Muck berichtet, die
ungezogenen Kindern zur Abschreckung gedient haben soll. Wie es so
mit alten Erzählungen nun mal ist, mischt sich oft Wahrheit mit
Legende.
Die „Hölzerne Muck“ entstand im Jahre 1948 und wurde von dem
Sensenbacher Zimmermann Heinrich Fritsch aus einem Stamm
geschlagen.
Beim historischen Umzug führt sie auf einem Handwagen gezogen den
Festzug und wird danach im Ausschankwagen aufgestellt.
Mit Muckensaft (Wacholder) bestückt, dient sie zur Labung der
Marktbesucher.
Zum Wiederaufbau der Martinskapelle ist es nicht mehr gekommen,
die Steimeler gehen heute zur Kirche nach Niederwambach. Aber ohne
Glocke wollten sie dann doch nicht sein.
Es war Willi Born, der mit einigen Bürgern die Idee hatte,
gegenüber unseres „Hauses des Gastes“ einen Glockenturm zu bauen.
Durch großzügige Spenden wurde das Bauvorhaben finanziert.
Im Jahre 1981 war es soweit und die Rheinzeitung verkündete:
„Nach 350 Jahren läuten in Steimel jetzt wieder Glocken.“
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